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November 2021


Sündenbock
Wahlrecht
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Ruhestand
Schaulaufen
Sprach-Nazis
Schirach
Fallzahlen
Söder
No Retro
Merkel-Emoji
Daten-Frei
Dreivierteltakt
Zweierlei Maß
Promillegrenze
Nützlinge
Abstand
Pandemie
Öko-vor-Ort
Gemeinsinn
Bürgertaxi
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Klimawandel

Wahlbeteiligung
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Entschuldigung
Bewahrt
Zweiter Blick
Rasterblick
Überlegenheit

Ungeimpfte Sündenböcke

 

Die Suche nach einem Sündenbock ist so alt wie die Menschheit. Immer wenn eine Naturkatastrophe eintrat, eine Seuche ausbrach oder jemanden ein Schicksalsschlag traf, musste eine einfache Erklärung her - also ein Schuldiger. In der Vergangenheit waren es mal die Hexen, ein andern Mal die Juden. Jetzt in der Pandemie sind es die Ungeimpften.

Plötzlich sind sie verantwortlich dafür, dass alle Intensiv-Betten belegt sind oder, dass trotz einer Impfquote von zwei Drittel immer noch das Virus wütet. Völlig vergessen wird, dass innerhalb eines Jahres 4500 Intensiv-Betten abgebaut wurden und allen Geimpften ein falsches Versprechen zur Wirkung des Impfstoffs gegeben wurde. Wie schon Sahra Wagenknecht vorschlägt: Die Wut bitte auf die Politiker lenken und nicht auf die Ungeimpften.

 

(Albert Zimmerer, 2021)

 

 

Wahlrecht auf Zeit

 

Obwohl in Berlin die Sondierungs-Gespräche noch laufen, lässt sich schon mal ein Fazit ziehen. Die Deutschen haben sich also gegen die Extreme entschieden, gegen Linke und gegen AfD. Machen soll es die Ampel. Ein bisschen Genugtuung empfinde ich in Anbetracht des schlechten Abschneidens der Union. Auch in der eigenen Partei hat Merkel nach 16 Jahren also einen Scherbenhaufen hinterlassen. Auffällig waren die vielen unentschlossenen Wähler, die einmal mehr das Parteiensystem in Frage stellten. Gemäß dem Motto „Das Thema ist gut, aber das Personal unglaubwürdig“, konnte man nur mit Magengrummeln sein Kreuz machen. Leider gibt es noch kein demokratisches Land, das uns vormacht, wie man in erster Linie nicht Parteien, sondern Themen wählt. Das wär‘s! Aufgefallen ist außerdem das extrem hohe Durchschnittsalter der Wähler, das mittlerweile schon bei über 55 liegt, Tendenz steigend. Klar, dass da nicht die Reform des Rentensystems interessiert, sondern das Versprechen, dass die Renten im nächsten Jahr steigen. Was interessieren einen 70-jährigen schon Zukunftsthemen wie Klimawandel und Digitalisierung? Dadurch bleibt bei einer Wahl vieles auf der Strecke, was unser Land voranbringen könnte. Auch ein Absenken des Wähler-Mindestalters von 18 auf 16 würde hier nur marginal eine Wende herbeiführen. Wie lässt sich das Dilemma lösen? Mein Vorschlag lautet, und der ist vollkommen ernst gemeint: Sobald jemand Rente oder Pension bezieht, erlischt dessen Wahlrecht.

 

(Albert Zimmerer, 2021)

 

 

Verpasster Zeitpunkt

 

Es handelt sich um ein Phänomen bei Leuten, die in Spitzenpositionen stehen. Sie verpassen meist den richtigen Zeitpunkt des Abschieds. Ob im Sport, in der Wirtschaft oder in der Politik. Es ist eher selten so, dass man das Gefühl hat: Schade, dass er oder sie schon aufhört. Meistens denkt man sich: Die hätte schon längst weg müssen. Oder: Der hat durch sein Festhalten an seinem Posten mehr geschadet als genützt. Warum ist das so? Na ja, wer verzichtet schon gern auf Privilegien, Macht und Geld?

Auch bei Kanzlerin Merkel sind sich alle einig, dass sie vier Jahre zu spät abtritt. Viele atmen auf. 12 Jahre hätten auch gereicht. Es klingt fast zynisch, dass ausgerechnet Merkel jetzt Reformen anmahnt, nachdem sie in ihren 16 Jahren keine einzige auf den Weg gebracht hat. Oder schauen wir auf Altbürgermeister Siegfried Fischer, der 24 Jahre lang an seinem Stuhl klebte. Jetzt empfindet man es gar als Segen für Isen, dass er weg ist. Viele atmen auf.

Die Amerikaner sind da weiter und begrenzen hohe politische Ämter auf zwei Amtszeiten, also 8 Jahre. Vor einigen Jahren kam der Vorschlag, es den Amis nachzumachen, auch von Söder. Da bin ich gespannt, ob er nach seiner zweiten Amtszeit als Ministerpräsident noch genauso denkt.

 

(Albert Zimmerer, 2021)

 

 

Überschätzter Ruhestand

 

"Niemals ein Vorhaben auf den Ruhestand verschieben", lautete immer meine Devise. Wo ich diese Lebensweisheit herhabe, weiß ich nicht mehr, aber sie war für mich sofort nachvollziehbar. Vielleicht würde mir ja dann, wenn ich endlich Zeit hätte, die Ausdauer fehlen, die Gesundheit oder gar die Lust für die ehemals heiß ersehnte Aktion abhanden gekommen sein. Irgendwie war deshalb für mich der Ruhestand nie erstrebenswert oder er hatte zumindest keine hohe Priorität. Im Gegensatz zu vielen Bekannten, die mit 55 schon nervös werden, wenn sie noch keinen Plan für den Renteneintritt haben.

Die pseudomäßige Hyperaktivität, die so mancher Rentner an den Tag legt, ist mir von Haus aus suspekt. Bevor ich sinnbefreit vor mich hinlebe oder, schlimmer noch, vor mich hinvegetiere, gehe ich lieber arbeiten. Ein Leben ohne Höhepunkte? Nein danke! Was ist das Ziel im Ruhestand? Eigentlich nur noch der Tod. Außerdem will ich nicht nach alt stinken und dem Partner ständig auf die Nerven gehen. Permanent und penetrant. Wenn meine Woche Struktur hat und ich an den Werktagen pünktlich im Büro antreten muss, lass ich mich nicht so gehen und mein Gehirn verkümmert nicht.

Denke ich wirklich so oder ist es nur Neid? Der Neid auf den ehemaligen Schulspezi, der schon mit 50 Jahren in den Ruhestand geschickt wurde, oder auf die Kollegen, denen eine Altersteilzeit angetragen wird und die spätestens mit 60 zu Hause sind?

Neid ist es eher nicht.

 

(Albert Zimmerer, 2021)

 

 

Schaulaufen mit Haken

 

Beim Thema Gleichberechtigung und Emanzipation der Frau hat sich die letzten Jahrzehnte viel getan. Trotzdem ist nur ein Zwischenziel erreicht. Ein Blick zurück lohnt sich. Es ist noch keine 60 Jahre her, dass Frauen Besitz ihrer Ehemänner waren und bei uns auf dem Land meistens ein Kopftuch trugen. Dass eine Frau Hosen anhatte oder sich schminkte, kannte man allenfalls von den "feinen Damen" in den Großstädten. Für heutige Frauen unvorstellbar. Was die weibliche Selbstverwirklichung anbelangt, bestehen inzwischen kaum noch Unterschiede zwischen Stadt und Land.

Lassen wir weitere 60 Jahre verstreichen. Wie wird im Jahr 2080 ein Blick zurück aussehen? Verwundert wird man den Kopf schütteln, dass sich "damals" in den 2020ern auch emanzipierte Frauen noch am medialen Schaulaufen beteiligten. Wie selbstverständlich hecheln alle irgendwelchen Schönheitsidealen hinterher und überbetonen beim Ankleiden ihre weiblichen Attribute.

Mit Gewalt sexy sein, aber "bitte kein Sexismus". Hier hakt es noch gewaltig.

 

(Albert Zimmerer, 2021)

 

 

Sprach-Nazis

 

Nazi-Vergleiche sind immer problematisch. Sie sind typische Totschlagsargumente und lenken vom eigentlichen Thema ab. Außerdem gilt man dadurch als geächtet, und keine Entschuldigung hilft. So musste DFB-Chef Keller zurücktreten, nachdem er seinen Vorstandskollegen mit Nazi-Richter Freisler verglichen hatte.

Meist wird ein Nazi-Vergleich herangezogen, wenn ein Streit hochemotional ist, und eine finale Beleidigung den Kontrahenten vernichten soll. Auch Liedermacher Reinhard Mey sorgte für einen Skandal, als er seine Nachbarn als "Garten-Nazis" betitelte.

Leider befinde ich mich ebenfalls in solch einer hochemotionalen Lage, jetzt, wo mir vorgeschrieben wird, was ich sagen darf und was nicht. Wo ich ein Gender-Sternchen beim Schreiben und Sprechen verwenden soll. Ich befinde mich da offensichtlich in bester Gesellschaft, denn auch die von mir geschätzte Sahra Wagenknecht kritisiert diese Bevormundung durch sogenannte Lifestyle-Linke in ihrem Buch "Die Selbstgerechten". Und schon liegt es mir auf der Zunge, dieses böse Wort "Sprach-Nazis".

 

(Albert Zimmerer, 2021)

 

 

Schirachs Grundrechte

 

Ferdinand von Schirach, geboren 1964 in München, ist Jurist, Dramatiker und Schriftsteller. Er lebt in Berlin. Das erste Mal, dass ich mit seinem Namen konfrontiert wurde, war in der Krimi-Serie „Schuld“ nach einem seiner Bücher, in der Moritz Bleibtreu einen Anwalt spielt. Sie gefiel mir deshalb, weil auf diverse Schliche unseres Rechtssystems hingewiesen wird. Manchmal spielt halt der „Gesunde Menschenverstand“ nicht mehr mit, wenn es vor Gericht um Recht und Gerechtigkeit geht. Das nächste Mal überraschte mich seine klare und eindeutige Haltung im Theater-Stück „Terror“ mit dem Fazit, dass Menschenleben nicht aufgerechnet werden dürfen. Demnach darf ein Flugzeug nicht abgeschossen werden, das von Terroristen entführt wurde mit dem Ziel, es in ein vollbesetztes Fußballstadion zu lenken. Und jetzt taucht Schirach plötzlich bei Markus Lanz auf und erklärt dem verblüfften Talkmaster seine sechs neuen Grundrechte, die in dem Mini-Büchlein „Jeder Mensch“ zusammengefasst sind. Als Lanz einwarf, dass damit das Geschäftsmodel von Google, Facebook und Co bedroht sei, antwortete Schirach kurz mit den Worten: „Das ist nicht so schlimm!“

Laut Schirach soll ein Verfassungskonvent die Charta der Grundrechte der Europäischen Union um folgende Grundrechte erweitern:

 

Artikel 1 – Umwelt
Jeder Mensch hat das Recht, in einer gesunden und geschützten Umwelt zu leben.

Artikel 2 – Digitale Selbstbestimmung
Jeder Mensch hat das Recht auf digitale Selbstbestimmung. Die Ausforschung oder Manipulation von Menschen ist verboten.

Artikel 3 – Künstliche Intelligenz
Jeder Mensch hat das Recht, dass ihn belastende Algorithmen transparent, überprüfbar und fair sind. Wesentliche Entscheidungen muss ein Mensch treffen.

Artikel 4 – Wahrheit
Jeder Mensch hat das Recht, dass Äußerungen von Amtsträgern der Wahrheit entsprechen.

Artikel 5 – Globalisierung
Jeder Mensch hat das Recht, dass ihm nur solche Waren und Dienstleistungen angeboten werden, die unter Wahrung der universellen Menschenrechte hergestellt und erbracht werden.

Artikel 6 – Grundrechtsklage
Jeder Mensch kann wegen systematischer Verletzungen dieser Charta Grundrechtsklage vor den Europäischen Gerichten erheben.

(Albert Zimmerer 2021, www.jeder-mensch.eu )

 

 

Zahlen wie Noten

 

„Die Ehrlichen sind wieder einmal die Dummen“, meint die Landrätin von Regen in Anbetracht der hohen 7-Tage-Inzidenz in ihrem Landkreis. Solange alle immer nur auf die Fallzahlen starrten wie das Kaninchen auf die Schlange, sei man als Viel-Tester der Ausgeschmierte. Es würden weder Positiv-Quote, noch Krankheitsverläufe oder Intensivbetten-Belegung betrachtet.

Allein die Tatsache, dass Ballungszentren aktuell geringere Inzidenzwerte hätten, führe den Zahlenfetisch für sie ad absurdum. Wird dort wohlmöglich die Trump-Methode angewandt, werden also bewusst weniger Tests durchführt?

Warum erinnert mich das irgendwie an unser staatliches Schulsystem, wo hauptsächlich die Noten zählen? Für uns Schüler war immer klar, dass wir nicht fürs Leben lernen, sondern fürs Kurzzeitgedächtnis. Nutzloses Wissen eintrichtern und einen Tag später bestmöglich reproduzieren. Wer geschickt schwindelte mit Spickzettel oder ähnlichem war im Vorteil. Der Ehrliche hatte immer das Nachsehen.

(Albert Zimmerer, 2021)

 

 

Gott schütze uns vor Söder

 

„Von nichts kommt nichts“, heißt es immer. Also macht es durchaus Sinn, einige Corona-Maßnahmen zu hinterfragen.

Von Söder weiß man, dass er als Bub die Silvesterknallerei verabscheute und lieber die ganze Nacht bei den Hunden im Keller verbrachte. Folgerichtig wurde diesmal auch das Böllern verboten, braucht eh keiner. Und wer bitte treibt sich noch um 21 Uhr auf der Straße rum? Streber Söder bestimmt nicht, vermutlich auch in seiner gesamten Jugendzeit nicht.

Die unsinnigste Maßnahme der letzten Tage ist der 15-Kilometer-Radius, der bei einer 7-Tage-Inzidenz über 200 einzuhalten ist. Die „15“ willkürlich gewählt? Keineswegs. Langsam müssen wir uns ja an die Reichweite von E-Autos gewöhnen. Hi hi. Tatsächlich wird der Kauf eines E-Autos bzw. Hybrid-Fahrzeugs erst ab einer Reichweite von 30 km gefördert.

Sicher könnte man Söders Corona-Aktionismus als hilflos und planlos abtun. Aber der bayerische Ministerpräsident verfolgt dasselbe Ziel wie sein großes Vorbild Franz-Josef Strauß - die Kanzlerschaft. Fürchtet euch nicht! Angst hat höchstens Söder - vor den Querdenkern und einer vermeintlichen Corona-RAF. Söder wird niemals Kanzler, genauso wenig wie Strauß.

Aus „Stoppt Strauß“ wird „Gott schütze uns vor Söder“.

(Albert Zimmerer, 2021)

 

 

Neuer Pinklers-Song: No Retro

„Manchmal bin ich sowas von Retro“

 

 

Du hast die Platten mitgebracht,

wir hören Queen die ganze Nacht.

Ich singe mit bis zum Exzess

und lese im Musik-Express.

 

Dann schauen wir die Fotos an.

Sie ziehen mich in ihren Bann.

Ein Flashback jagt das andere,

bis ich die Jugend heut versteh.

 

Erinnerungen sind zu wenig,

Nostalgie genügt mir nie.

Lasse mich nicht ruhig stellen,

wie im Stall das liebe Vieh.

 

No Retro, no Retro, Pedro bitte nicht!

Retro-Pedro, Retro-Pedro, Pedro bitte nicht!

 

Dann blättern wir im Tagebuch.

Die blasse Schrift und der Geruch,

der Seelenstriptease jedes Mal,

macht keinen Spaß, ist eher Qual.

 

Schwelgen in der Jugendzeit,

Verklärung früher Tage,

ist kein Ersatz für aktiv Leben,

vielmehr eine Plage.

 

No Retro, no Retro, Pedro bitte nicht!

Retro-Pedro, Retro-Pedro, Pedro bitte nicht!

 

(Albert Zimmerer, 2021)

 

 

Merkels Emotionen

 

Unsere Bundeskanzlerin gilt gemeinhin als wenig emotional. Sie regiert mit ruhiger Hand und sitzt wie ehemals Helmut Kohl die Probleme gerne aus. Nur hi und da kochen bei Merkel Emotionen hoch - dann wird es gefährlich.

Einmal habe ich sie weinend im Bundestag gesehen. Das war 1995, als sie als Umweltministerin beim Thema Ozon von Kohl öffentlich und barsch zurückgepfiffen wurde. Drei Jahre später war sie Rädelsführerin gegen Kohl bei dessen Spendenaffäre. Den Rest kennt man ja.

Als Kanzlerin machte sie 2010 den von der rot-grünen Vorgänger-Regierung ausgehandelten Ausstieg aus der Kernenergie rückgängig, was sich schon ein Jahr später rächen sollte. Da ereignete sich nämlich das Reaktorunglück in Fukushima und Merkel wurde in Anbetracht des Ausmaßes erneut emotional. Sofort wurde ein schnellerer Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Der Unterschied war bloß, dass sich die Energiekonzerne diesen ungleich höher vergüten ließen als den ersten Ausstieg.

Vier Jahre später auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise wurde Merkel das nächste Mal emotional. Das Fernsehen war live dabei, als in Österreich ein am Straßenrand abgestellter Schleuser-LKW aufgefunden wurde, der 70 Leichen an Bord hatte. Es handelte sich um geflüchtete Männer, Frauen und Kinder. Schlimm genug. Bei Merkel legte dies einen Schalter um, und eine Woche später öffnete sie die Grenzen, ohne Kontrollen, ohne Plan B und "alternativlos". Damit war der rasante Aufstieg der AfD vorprogrammiert.

Und jetzt inmitten der zweiten Corona-Welle wird Merkel wieder einmal emotional. Ihre Regierungserklärung könnte man durchaus als Wut-Rede sehen und zynisch dazu. Wie war das? Drei Tage früher Schulferien und Oma und Opa überleben Weihnachten?

 

(Albert Zimmerer, 2020)

 

 

Datenschutz oder Freiheit

 

Arbeitsbedingt habe ich seit jeher mit Software und EDV zu tun. Das enorme Potential, das in den Themen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz steckt, ist mir bekannt. Beide könnten zur Eindämmung der Pandemie einen großen Beitrag leisten.

Leider ist Deutschland digitales Entwicklungsland. Kopfschüttelnd nahm ich zur Kenntnis, dass die meisten Gesundheitsämter noch analog arbeiten und ihre Daten an das Robert-Koch-Institut faxen, wo sie dann digitalisiert werden. Ebenso staunend erfahre ich jetzt, dass die Virologen auch nach 9 Monaten nicht wissen, wo sich die Leute mit Covid-19 anstecken. Die Daten wären eigentlich vorhanden. Offensichtlich reicht aber menschliche Intelligenz nicht aus und wir sollten verstärkt auf künstliche setzen.

Wie sowas funktionieren kann, machen uns asiatische Länder wie Südkorea vor. Klar gehen diese sehr sorglos mit persönlichen Daten um. Wenn das in einer Notsituation temporär geschieht, habe ich ehrlich gesagt kein Problem damit. Wenn ich vor der Entscheidung stehe, Daten herausrücken oder Freiheit aufgeben, pfeife ich auf den Datenschutz.

 

(Albert Zimmerer, 2020)

 

 

Lockdown im Dreiviertel-Takt

 

Nach einem dreiviertel Jahr Pandemie tappt die Wissenschaft immer noch im Dunkeln. Bei 75% der Infizierten weiß man nicht, wer die Pandemie-Treiber sind, wo die Virenschleudern liegen. Also müssen wieder alle Kneipen schließen. Immer drauf mit dem Holzhammer. Richtig primitiv, wie beim 1. Lockdown. Traurig aber wahr.

Zweifel an der Richtigkeit der drastischen Maßnahmen bestätigt die Realität. Letzten Samstag saß mein Spezl beim Wirt mit vier anderen an einem Tisch. Um 22.00 Uhr setzte der Wirt die verordnete Sperrstunde schweren Herzens durch. Die Gäste gingen zwar, allerdings nicht nach Hause, sondern auf eine Privatfeier mit rund 30 Leuten. Was ist also gewonnen?

Angstmacherei herrscht überall. Da alle nur auf die Fallzahlen schauen, ist das kein Wunder. Wieso betrachtet man nicht auch die Anzahl von Tests, die Intensivbetten-Belegung und die Krankheitsverläufe? Es sei bereits 5 vor 12, heißt es. Wieso kann es dann sein, dass ein Gesundheitsamt wie das in Erding genau in dieser Situation an den Wochenenden nicht testet. Macht das Virus ebenfalls Wochenende?

Das Credo der Politik lautet: Das Nützliche und Angenehme einschränken, um das Notwendige zu erhalten. Die Kontakte will man deshalb um 75% reduzieren. Aha, da ist sie wieder die 75, muss eine tolle Zahl sein. Dreiviertel vom letztjährigen Monatseinkommen zahlt der Staat im Gegenzug den Betrieben für den November-Lockdown, also ebenfalls 75%.

Wer sich über die drastischen Maßnahmen wundert, braucht nur zu schauen, wer die politischen Entscheidungsträger sind. Mindestens 75% von ihnen gehören einer der Risikogruppen an. Oder wie man jetzt sagt: Sie sind vulnerabel. Um mindestens 75% gesunken ist auch mein Vertrauen in das aktuelle Krisenmanagement. Fazit: vulnerabel und miserabel.

 

(Albert Zimmerer, 2020)

 

 

Zweierlei Maß

 

Sogar bei den Tagesthemen wurde jetzt ein Vergleich angestellt zwischen Corona-Krise und Klima-Krise. Der Vergleich bezog sich darauf, dass einmal die Alten und einmal die Jungen die Arschkarte hätten. Moderator Claus Kleber wollte damit an das Verantwortungs-Bewusstsein der Jugendlichen appellieren. So forderten diese regelmäßig bei Fridays-for-Future Solidarität ein, die er bei Corona vermisse. Anscheinend, so Kleber, seien ihnen da ihre Freiheitsrechte wichtiger als Solidarität mit den Alten.

Kleber macht allerdings einen Denkfehler, vermutlich weil er auch einer von den Alten ist. Die jeweils getroffenen Maßnahmen sind nämlich bei Corona ungleich drastischer als bei der Klima-Krise, wo immer noch auf Zeit gespielt wird. Dabei fordert der Klimawandel jetzt schon mehr Todesopfer als Corona. Es wird offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen. Das provoziert die Jungen geradezu, über Verschwörungen zu spekulieren. Corona trifft nämlich auch die Reichen und Mächtigen, wogegen beim Klimawandel hauptsächlich die Armen zu den Verlierern zählen.

 

(Albert Zimmerer, 2020)

 

 

Promillegrenze

 

Corona hat uns nicht nur gelehrt, mit einem höchst ansteckenden Virus zu leben, nein, es hat auch unseren Wortschatz bereichert mit so wunderschönen Begriffen wie Lockdown, Aerosole oder Superspreader. Ein neuer Begriff ist auch die „7-Tage-Inzidenz“, also die Anzahl neu gemeldeter Corona-Fälle pro 100 000 Einwohner in einer Woche. Als nicht zu überschreitender Grenzwert wurde die Zahl 50 festgelegt, ab dem wieder schärfere Hygiene-Regeln gelten. Wir alle fragen uns: Warum 50? Die Zahl scheint allerdings nur auf den ersten Blick willkürlich gewählt. Es handelt sich nämlich exakt um die uns bekannte 0,5-Promillegrenze. Ich stelle mir gerade vor, wie ein Beamter im Gesundheitsministerium grübelt und grübelt und plötzlich: Heureka, ich habs! Was beim Alkohol gilt, kann auch beim Virus nicht schaden. Organismus ist Organismus, ob menschlicher Körper oder Sozialgebilde. Vielleicht, überfällt es mich, sind auch andere Zahlen keinesfalls willkürlich gewählt. So wie beim derzeit heiß diskutierten Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“, wonach jedem Bürger und jeder Bürgerin eine Summe von 1500 Euro pro Monat vom Staat gezahlt werden soll. Das wäre dann ein Jahreseinkommen von 18 000 Euro für jeden. Bei dem in Kürze anlaufenden Pilotprojekt zum Grundeinkommen sind 1000 Freiwillige ausgewählt worden. Das wäre dann insgesamt eine Summe von 18 Mio pro Jahr und die läge gerade noch unter der 0,5-Promillegrenze, bezogen auf das Vermögen des reichsten Deutschen Dieter Schwarz (Lidl, Kaufland) in Höhe von rund 40 Milliarden Euro.

 

(Albert Zimmerer, 2020)

 

 

 

Nützlinge und Schädlinge

 

Als ist klein war, war die Welt scheinbar noch einfach strukturiert.

Da waren in der Politik einmal die Sozis an der Macht und dann die Konservativen. Da gab es die Guten im Westen und die Bösen im Osten und in der Tierwelt waren da die Nützlinge und die Schädlinge, vor allem bei den Insekten. Schädlinge mussten bekämpft werden, auch wenn hie und da ein Nützling gleich mit draufging. Heute weiß man, dass die Einteilung in Nützling und Schädling überholt ist und ein Zusammenspiel von beiden für den Erhalt der Artenvielfalt und damit für eine intakte Natur notwendig ist.

Sehr leicht lassen wir uns auch bei Fragen zur Einwanderung zu einer Einteilung in Nützling und Schädling hinreißen. Aber im Endeffekt handelt es sich bei beiden um Menschen. Ein Mensch ist niemals nur gut oder nur böse, niemals nur von wirtschaftlichem Nutzen oder nur ein Sozialschmarotzer. Es ist alles fließend und eine Transformation in beide Richtungen findet unauffällig und unaufhörlich statt. Beide vermeintlichen Extreme ergänzen sich und beide sind für eine menschliche Gesellschaft notwendig.

 

(Albert Zimmerer, 2020)

 

 

Mit Abstand betrachtet

 

Drei Monate ist es nun her, dass mein Bürgermeister-Traum wie eine Seifenblase zerplatzte. Selbstverständlich empfand ich mein schlechtes Abschneiden als Kränkung, als brutalen Arschtritt. Warum wurde mein hoher persönlicher Einsatz für die Gemeinde nicht gewürdigt?

Als Königsmacher bezeichnen mich selbsternannte Politikgurus, da die Kandidatin der Freien Wähler, also die neue Bürgermeisterin, vermeintlich erst durch meine Kandidatur in die Stichwahl kam. Das war zwar nicht geplant und nicht vorhersehbar, aber wenn es so ist, auch gut. Hauptsache kein CSUler oder Grüner. Mein Hass auf die Leute, vor allem auf die vielen Möchtegerns und Pseudos schien zunächst unendlich. Mehr und mehr, vielleicht auch Corona-bedingt, setzte sich aber die Erkenntnis durch, dass es sich mit Wählergunst und Liebe ähnlich verhält. Man kann sie nicht erzwingen.

Im Gegenzug gilt ab sofort Plan B: Keine Ehrenämter mehr! Ich muss um keine Gunst mehr buhlen. Keine Unterstützung mehr für Vereine. Ich bin jetzt frei. Einige fallen aus allen Wolken, sind enttäuscht, fühlen sich persönlich angegriffen. Aber warum eigentlich? Darf man sich nicht neu orientieren? Schlimmer wäre, wenn ich an einem Amt kleben würde. Jetzt sollen andere ran.

 

(Albert Zimmerer, 2020)

 

 

 

Pandemie

 

Bin die Inkarnation von Globalisierung.

Pure Interaktion zur Kontaminierung.

 

Bin unsichtbar klein mit großem Effekt.

Ein Oral-Infekt für den Global-Defekt.

 

Bin tragisches Ergebnis von Optimierungswahn.
Ein Hysterie-Erlebnis im Konsum-Gruppenzwang.

 

Bin Handhabe für Möchtegern-Diktatoren.

Habe mich gegen die Freiheit verschworen.

 

Bin schlimmer als Panik, voll tödlicher Wut.

Dein schlechtes Gewissen und meine es gut.

 

Bin Mahnung und Hoffnung, grausam und heilsam.

Die Welt kommt zur Ruhe, gemeinsam und einsam.

 

(Albert Zimmerer, 2020)

 

 

 

"Vor Ort" ist das neue Öko

 

Nirgends wird so viel geschwindelt wie bei den Etiketten „Bio“ und „Öko“. Möglicherweise sind die Äpfel aus Neuseeland oder die Erdbeeren aus Mexiko sogar aus kontrolliert biologischem Anbau, aber der Transport dürfte die Ökobilanz arg verhageln. Das kann man schönrechnen, wie man will. Mit Sicherheit sagen kann man nur, dass jeder NICHT geflogene und jeder NICHT mit dem LKW oder Auto gefahrene Kilometer „öko“ sind. Deshalb ist mir auch das „vor Ort“ so wichtig. Vor Ort arbeiten, vor Ort einkaufen, vor Ort seine Freizeit gestalten. So viel „vor Ort“ wie möglich sollte das Ziel sein. Klar wird die Mehrheit der Isener Arbeitnehmer immer auspendeln müssen, aber jeder neue Arbeitsplatz vor Ort ist öko. Auch jedes neue Geschäft vor Ort verdient dieses Siegel und der von Isens Jugend geforderte Badeweiher wäre genauso öko. „Vor Ort“ ist das neue Öko.

 

(Albert Zimmerer, 2020)

 

 

 

Marktnacht und Gemeinsinn

 

Die Veranstaltung der Isener Blaskapelle „Lange Nacht der Musik“, die heuer im Meindlpark stattfand und rund 700 Besucher anlockte, hat wieder gezeigt, wie sehr sich die Leute nach Veranstaltungen sehnen, wo ganz Isen zusammenkommt und sich austauscht. Es wurden Erinnerungen wach an die legendäre Marktnacht, die von 1997 bis 2007 regelmäßig stattfand. Sie stiftete Isener Identität, machte den Ort attraktiver und wurde auch von ehemaligen Isenern besucht. Nachbarorte beneideten uns wegen des einmaligen Flairs. Viele vermissen die Marktnacht und stellen sogar einen Zusammenhang mit dem Umstand her, dass der Marktgemeinde immer mehr der Zusammenhalt abhandenkommt. Für den sprichwörtlichen Gemeinsinn scheint in Isen kein Platz mehr zu sein. Es stimmt, Gemeinsinn kann man nicht verordnen, aber fördern - eben durch Veranstaltungen wie „Lange Nacht der Musik“, „Advent im Park“, oder durch die Wiedereinführung der Marktnacht.

 

(Albert Zimmerer, 2019)

 

Bürgertaxi für Isen

 

Bei allen Diskussionen zum Thema Klima- und Umweltschutz kommt man schnell auf den vermeintlichen Heilsbringer ÖPNV. Die Pendler sollten demnach auf Bus und Bahn umsteigen und alles wäre gut. Was in der Stadt funktionieren mag, ist bei uns auf dem Land keine Alternative zum Auto, auch nicht in naher Zukunft. Zu teuer und zu unflexibel, auch nicht mit der neuen MVV-Reform. Eine Fahrt mit dem MVV-Bus von Isen zum nächsten Bahnhof Markt Schwaben kostet genau so viel, wie die Weiterfahrt nach München. Hinzu kommt, dass der Bus einfach zu selten fährt, vor allem bei der Heimfahrt. Hat die S-Bahn 10 Minuten Verspätung, wartet man eine knappe Stunde auf den nächsten Bus. Eine Taktverkürzung ist so gut wie nicht durchsetzbar. Weiteres Manko ist, dass die Außenbereiche vom MVV-Bus kaum oder gar nicht angefahren werden. Ohne eigenes Auto oder motorisierte Angehörige geht nichts. Ein Arztbesuch in Dorfen oder ein Krankenbesuch in Haag mittels ÖPNV bleibt Utopie. Und abends - fährt sowieso kein Bus. Wie es gehen könnte, macht uns die Partnergemeinde Ernstbrunn mit ihrem Bürgertaxi vor. Einmal im Jahr zahlt man eine Mitgliedsgebühr von 5 Euro und pauschal pro Fahrt 2 Euro. Mittels Telefon oder Internet bucht man rechtzeitig sein Ziel und den Wunsch-Termin bei der „Zentrale“. Dort wird anhand der eingegangenen Anmeldungen eine Route ausgetüftelt und der Kunde vom gemeindeeigenen Fahrzeug vor der Haustüre abgeholt. Es sind Fahrten bis zu 15 Kilometern möglich. Am Wochenende machen die Gemeinderäte abwechselnd und ehrenamtlich Fahrer. Wär das nichts für Isen?

 

(Albert Zimmerer, 2019)

 

Desaster Öko-Steuer

 

Jetzt will man tatsächlich eine Öko-Steuer einführen, und ich kann nur fassungslos den Kopf schütteln. Ausgerechnet eine SPD-Ministerin prescht hier voran und rennt den Grünen hinterher. Da die Klimaziele offensichtlich im Großen nicht zu erreichen sind, Stichwort Kohleausstieg 2038, sollen es wieder die Kleinen richten. Abgesehen davon, dass hier die Klima-relevanten Auswirkungen nur gering wären, trifft es genau die am stärksten, für die sich die SPD einsetzen sollte, nämlich die Kleinverdiener. Klar werden bei einer Öko-Steuer alle zur Kasse gebeten, doch prozentual gesehen trifft es halt die mit geringem Einkommen stärker als die besser Verdienenden. Das hat genau den Effekt, der jedes Jahr mit Bedauern zur Kenntnis genommen wird, nämlich, dass die Schere zwischen reich und arm immer weiter auseinander geht. Genauso verhielt es sich 2006 mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer - auch mit SPD-Zustimmung. Viele haben auch damals vor dem Schereneffekt gewarnt, aber kapiert haben es die wenigsten. Ehrlicherweise gefällt mir der CSU-Vorschlag zum Klimaschutz wesentlich besser. Mit einer Senkung der Zugticket-Mehrwertsteuer bei gleichzeitiger Besteuerung der Inlandsflüge wären Klima-relevante Auswirkungen sofort spürbar. Auch Europa-weit sollte man die Vielfliegerei ins Visier nehmen. Solange ein Flug von München nach Mallorca schon für 60 Euro zu haben ist, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn Klimaziele verfehlt werden.

 

(Albert Zimmerer, 2019)

 

Grüner Wahlkampf

 

Die Veranstaltung der Grünen zum Wahlkampf-Auftakt muss man im Großen und Ganzen positiv sehen. Der unerwartet hohe Zuschauerandrang im Isener Bierzelt zeugt von einem zunehmenden politischen Interesse bei den Bürgern. Logischerweise waren einige nur aus Neugier da, was aber auch ok ist. Einen guten Eindruck machte Bockhorns Bürgermeister Hans Schreiner, der als gemeinsamer Kandidat von Freien Wählern, SPD und Grünen gegen Landrat Martin Bayerstorfer antritt und diesem jetzt schon das Fürchten lehrt. Auch Isens Vorzeige-Grüner Florian Geiger bekam für seine solide Bewerbungsrede als Bürgermeister-Kandidat viel Applaus, wenngleich einige seiner Aussagen akustisch untergingen. Alle Erwartungen erfüllte im Anschluss Katharina Schulze, im Positiven wie im Negativen. Als Politprofi hatte sie auch das Mikro schnell im Griff und startete eine fulminante Charme-Offensive im Bierzelt-Dirndl-Look. Dass sie kein einziges Wort Bayerisch sprach, obwohl sie in Herrsching am Ammersee aufwuchs, dafür aber ständig Anglizismen auspackte („I know“), wird man ihr lange nachtragen. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag ließ kein Thema aus und hatte manchen Seitenhieb Richtung Söder parat. Der Bayerische Ministerpräsident wirke seit dem erfolgreichen Volksbegehren „Rettet die Bienen“ plötzlich grüner als die Grünen. Schulze vergaß allerdings zu erwähnen, dass das Volksbegehren von der ÖDP initiiert wurde und die Grünen nur als Trittbrettfahrer aufsprangen. Unglaubwürdig machte sich die 34-jährige Landes-Politikerin schon im Januar diesen Jahres, als sie das viel zitierte Urlaubsfoto aus Kalifornien mit Eis im Einwegbecher und Plastiklöffel postete. Schulze wehrte sich damals mit dem Argument, dass es um die Grünen-Politik ginge, die für eine bessere Welt stünde und nicht um einzelne Personen. Vorbildcharakter ist demnach nicht die Stärke der Grünen. Man ist vehement gegen die 3. Startbahn, aber am häufigsten fliegen Grünen-Wähler.

Übrigens: Auf den Biertischen im Isener Bierzelt lagen tausende Traubenzucker - in Plastik eingeschweißt.

 

 

(Albert Zimmerer, 2019)

 

Europa

 

Wenn ich an Europa denke,
wird mir fast immer schlecht.
Alles überreguliert,
dass ich laut schreien möcht.

 

Europaweite Ausschreibung
sogar bei uns in Isen.
Bürokraten-Wahn und Idiotie

sind damit bewiesen.

 

Der Euro wurde allen Bürgern
einfach aufgezwungen.
Teuerung und Niedriglohn
sind einwandfrei gelungen.

 

Natürlich gibt es Profiteure,
und viele Subventionen.
Großkonzerne ziehn die Fäden,
um selbst sich zu belohnen.

 

Wenn ich so darüber denke,
werd ich Europa nicht gerecht.
Die Grundidee der Einigkeit
ist keineswegs so schlecht.
 

Europa brauchte diesen Frieden,
nach 1000 Jahren Krieg.
Der Völkerbund der alten Mächte
war wie ein echter Sieg.

 

Viele haben schon vergessen,
dass wir im Wohlstand leben.
Und ohne eine EWG
hätts sowas nie gegeben.

 

Europa darf man nicht verwünschen,
dass es auseinander bricht.
Aber einfach weitermachen,
so wie bisher - geht gar nicht.

 

(Albert Zimmerer, 2019)

 

Blühender Datenschutz

 

Seltsame Blüten treibt die immer strengere Auslegung der Datenschutzgesetze auch in der Kommunalpolitik. Bei der letzten Sitzung des Isener Marktgemeinderats durfte der Name eines Antragstellers nicht genannt werden, obwohl der Tagesordnungspunkt im NICHT-öffentlichen Teil behandelt wurde. Was mag sich wohl Angelika Mergenthaler gedacht haben, die als Nachrückerin für Maria Grasser gerade zuvor den Amtseid ablegte und von Bürgermeister Fischer mit den Worten eingeführt wurde, sie befinde sich nun in der „Königsdisziplin des Ehrenamtes“. Man kann nur hoffen, dass dieses Misstrauen gegenüber vereidigten Gemeinderäten nicht weiter ausartet und spätestens in der nächsten Ratsperiode wieder ein anderer Wind weht.

 

(Albert Zimmerer, 2019)

 

Glascontainer als Bienenfeind

 

Die Beschwerden über volle Wertstoff-Container, so wie hier der Glas-Container am Isener EDEKA-Markt, häufen sich. Dass diese momentan nicht so oft wie üblich geleert werden, ist vermutlich der Urlaubszeit geschuldet. Dieses Problem kann als temporär eingestuft werden. Weitaus schlimmer ist die Tatsache, dass die meisten Klappdeckel der Glas-Container defekt sind und keinen zeitgemäßen Verschluss mehr darstellen. Es dürfte bekannt sein, dass sich hier Bienen mit der amerikanischen Faulbrut anstecken können, wenn leere Honiggläser entsorgt werden, ohne vorherige Reinigung (was üblich ist). Außerdem leisten sie einer Wespenplage vor Ort Vorschub und was viele nicht wissen: Auch Wespen können sich hier mit verschiedensten Erregern infizieren und ganze Bienenvölker anstecken. Es bleibt zu hoffen, dass der Landkreis einlenkt, und in Zeiten von Bienen- und Insektensterben endlich Wertstoff-Container mit sicheren, intakten Einwurf-Schleusen aufstellt.

 

(Albert Zimmerer, 2018)

 

Harter Brocken Schulhaus-Sanierung

 

Die geplante Schulhaus-Sanierung ist ein harter Brocken, nicht nur für alle beteiligten Planer und Entscheider. Sie fordert Opfer von allen Isenern. Die veranschlagten Kosten in Höhe von 23 Millionen Euro sind von den Bürgerinnen und Bürgern scheinbar noch zu schlucken, nicht jedoch das Verschwinden des Schlittenbergs am Bräuanger. Die Mehrheit der Bevölkerung reagiert mittlerweile sehr sensibel auf das Zubauen von Grünflächen, vor allem wenn diese sich mitten im Ort befinden. Eine Ursachenforschung möchte ich mir an dieser Stelle sparen, aber man muss dem Protest Rechnung tragen. Das ist kein Populismus, das ist Demokratie. Deshalb sollte ein Kompromiss möglich sein. Das heißt für mich, Feuerwehr-Aufstellfläche und Parkplatz ‚ja‘, aber kleiner, so dass weiterhin Schlittenfahren möglich ist. Letztendlich geht es um 11 Auto-Stellplätze, die woanders untergebracht werden müssen. Alles in Frage zu stellen, macht wenig Sinn. Wie das Beispiel Taufkirchen zeigt, wäre ein Schulhausneubau eine ganz andere Hausnummer. Dort rechnet man mit 34 Millionen Euro für die neue Mittelschule. Auch der Vorschlag, Isen als Mittelschul-Standort aufzugeben und nur die Grundschule zu erhalten, dürfte bei der Mehrheit der Isener durchfallen.

 

(Albert Zimmerer, 2018)

 

Der Retter des Kreuzmarktes

 

„Da Voiksfestplatz schrumpft und da Kreizmarkt wead gleana, vielleicht miass ma s’Feiern vo de Woifganga leana.“ So lautete eines der Gstanzl beim Isener Starkbierfest und wurde von der Fastengemeinde johlend beklatscht. Vor allem der Niedergang des Kreuzmarktes scheint für die Isener offenkundig zu sein. Auch heuer waren sichtlich weniger Fieranten als jemals zuvor im Ort und die wenigen Stände verloren sich genauso wie die Besucher im weitläufigen Marktbereich. Fast würde man resignierend hinschmeißen, wäre da nicht der neue Bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Mit seiner Kreuz-Verordnung hat er eine Debatte losgetreten, die seinesgleichen sucht. Also bräuchte man nur irgendjemanden, der irgendwie es dem Söder flüstert, dass es da eine kleine Marktgemeinde in seinem Reich gibt, die so etwas wie einen „Kreuzmarkt“ zelebriert. Sofort wäre den Isenern Söders Unterstützung garantiert und mehr noch. Für sämtliche Gemeinden im Freistaat Bayern gäbe es plötzlich eine Kreuzmarkt-Verordnung. Gehet hin und tut es den Isenern gleich. Söder, der Retter des Kreuzmarktes.

 

(Albert Zimmerer, 2018)

 

Erneuerung der SPD

 

Wenn jemand seine Zähne neu machen lässt, ist er der festen Überzeugung, dass er hinterher wieder ein strahlend weißes Lächeln aufsetzen und besser beißen kann. Er weiß aber auch, dass diese Erneuerung nicht ohne Schmerzen möglich sein wird und mit hohen Kosten verbunden ist. Auf letzteres sollte sich auch die SPD einstellen, die zwar Jahr für Jahr das Wort „Erneuerung“ in den Mund nimmt, aber über eine rein personelle Erneuerung, sprich Posten-Geschacher, nicht hinauskommt. Erneuerung soll heißen, sich wieder auf das Wesentliche besinnen, auch wenn es teuer wird. Viele Themen, die bei der SPD angepackt werden, sind richtig, aber die wichtigen bleiben liegen. Als Beispiel fällt mir die Ehe für alle ein. Diese Errungenschaft ist ok, wurde aber mit einem Überschwang gefeiert, dass der ein oder andere SPD-Wähler nur noch staunen konnte. Wirklich wichtig hingegen wäre, dass die Schere zwischen Reich und Arm wieder eine Gegenbewegung macht, dass Kapitaleinkünfte besteuert werden wie Löhne und dass die Niedriglohn-Politik endlich aufgegeben wird, um der damit verbundenen Altersarmut Herr zu werden. Ich denke, dass für solche essentiellen Themen nicht nur innerhalb der SPD eine Mehrheit zu finden wäre, sondern auch im Bundestag.

 

(Albert Zimmerer, 2018)

 

Weg mit der Strabs

 

Endlich ist sie auch in der hohen Politik angekommen und steht auf dem Prüfstand: die leidige Straßenausbaubeitragssatzung, kurz Strabs. Der Druck von Bürgern wächst, die sich von heute auf morgen zu hohen Zahlungen genötigt sehen, nur weil die Straße neben ihrem Grundstück saniert werden muss. Die Absicht ist zunächst nachvollziehbar. Wer von einer Straßenbaumaßnahme der Kommune profitiert, soll auch entsprechend zur Kasse gebeten werden. Doch in der Umsetzung zeigt sich die offensichtliche Ungerechtigkeit der Strabs. Der Nachbar, der nicht unmittelbar an der Straße angrenzt, aber genauso profitiert, zahlt gar nichts. Oder wer zufällig an einer Hauptstraße anliegt und nicht an einer Nebenstraße, zahlt auch nichts. Oder wer im Außenbereich wohnt, bleibt ebenso verschont. Das erzeugt Unfrieden in den Gemeinden. Hinzu kommt, dass nur verschuldete Kommunen, so wie Isen, eine Strabs beschließen müssen, reiche Gemeinden hingegen nicht. Vor dem Verfassungsgericht hätte die Strabs daher eh keine Chance. Es bräuchte halt nur einen potenten Kläger. Dass die hohen Herren jetzt in die Gänge kommen, liegt vor allem daran, dass 2018 Wahljahr ist und die Freien Wähler ein Volksbegehren zur Abschaffung der Straßenausbaubeiträge initiieren wollen. Volksbegehren ist überhaupt die Idee. Jede Gemeinde könnte, auch schon jetzt und von sich aus, mit einem Bürgerentscheid demokratisch abstimmen lassen, ob man eine Strabs will oder nicht. Mit einem mehrheitlichen Entscheid gegen die Strabs wären dann auch Bürgermeister und Marktgemeinderat aus dem Schneider.

 

(Albert Zimmerer, 2018)

 

Krise des Parteiensystems

 

Die Bundestagswahl hat nicht nur die SPD ins Jammertal gestürzt, sondern insgesamt eine Krise unseres Parteiensystems offengelegt. Zum einen gibt es immer mehr Protestwähler, zum anderen zeigen Forscher ein düsteres Meinungsbild unserer Gesellschaft auf. Nach deren Umfragen haben nur noch 20 Prozent der Bevölkerung Vertrauen in die Parteien, was exakt dem Vertrauen zu Gebrauchtwagen-Händlern entspricht. Paradoxerweise haben dieselben Personen doppelt so viel Vertrauern in Institutionen, die sie nicht wählen dürfen, wie Polizei oder Militär. Wie ist das zu erklären? Es ist halt leider systembedingt so, dass schon vor einer Bundestags-, Landtags- oder Europawahl mehr als 90 Prozent der zukünftigen Parlamentarier feststehen. Möglich ist das durch die Parteilisten, wo quasi nur die hinteren Plätze, also rund 10 Prozent der Kandidaten in der Hand des Wählers liegen. Klar gibt es auch eine Personenwahl durch die Erststimme. Aber selbst wenn hier ein Kandidat durchfällt, ist er meist durch einen vorderen Listenplatz abgesichert. Klar wird die Liste innerhalb einer Partei demokratisch bestimmt, aber wer sich in der Parteien-Hierarchie nicht jahrelang nach oben gebuckelt hat, wird kaum eine Chance haben. Deshalb mehren sich die Proteste derer, die durchaus ihren politischen Willen kundzutun wollen, aber nicht durch eine Wahl von Parteien oder Personen, sondern durch eine Wahl von Themen. Die so bestimmten konkreten Punkte sollen dann von einem Expertenteam im Sinne der Mehrheit umgesetzt werden. Hört sich interessant an.

 

(Albert Zimmerer, 2017)

 

Wahlempfehlung

 

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Mal. Es war die Bundestagswahl 1980. Als Kanzlerkandidaten standen sich Franz-Josef Strauß und Helmut Schmidt gegenüber. Das Parteienspektrum war relativ übersichtlich. Rechtes Lager, linkes Lager. Die einen waren Arbeitgeber-Partei, die anderen Arbeiter-Partei. Zünglein an der Waage war die FDP. Kurz darauf kamen die GRÜNEN als ernstzunehmende Partei hinzu und nach der Wiedervereinigung die LINKEN aus dem Osten, die sich später mit denen aus dem Westen zusammentaten. Nach langer Durststrecke errang Ende der 90er die SPD in Koalition mit den GRÜNEN wieder die Macht. Mit Kanzler Schröder tat man etwas „Ungeheuerliches“, was die Partei fast zerriss und ihr bis heute nachgetragen wird. Man führte richtungsweisende Reformen durch. Das letzte Mal in der deutschen Geschichte, denn mit Kanzlerin Merkel wartet man vergeblich auf Ähnliches. Allen ist heute klar, dass die Hartz-Gesetze damals notwendig waren und jetzt neu justiert werden müssen. Doch mittlerweile geht es längst nicht mehr um solch „langweilige“ Themen. Heute sehen viele Wähler Deutschland und Europa angesichts Islamisten-Terror und Flüchtlingsstrom förmlich am Abgrund. Rechtspopulisten ziehen immer mehr Protestwähler an und wollen die Etablierten schwächen. Andererseits greift ein Neoliberalismus um sich, der vor allem Investoren und Aktionäre bedient. Man kann nicht voraussagen, wie es weitergeht. Doch eines muss allen klar sein. In solch stürmischen Zeiten kommt keiner an der SPD vorbei.

 

(Albert Zimmerer, 2017)

 

Halbzeit

 

Die Halbzeit-Bilanz zum Marktgemeinderat hätte durchaus positiv ausfallen können. Aber die aktuelle Kostenexplosion der Schulhaussanierung von 6 auf 17 Millionen Euro nimmt Isen förmlich den Atem. Auf Jahre hinaus wird man an einem strengen Sparkurs nicht vorbeikommen. Wir werden uns an eine Politik der kleinen Schritte gewöhnen müssen. Das Verhältnis Gemeinderat und Bürgermeister würde ich dagegen als sehr gut bezeichnen. Man sagt sich ehrlich die Meinung, auch erfreulicherweise aus den Reihen der Freien Wähler. Verbesserungspotenzial gibt es vor allem in der Informationspolitik.

Einen Konfrontationskurs fährt keiner, nur in der Sache gibt es zuweilen unterschiedliche Ansichten. Die Erhöhung der Abwassergebühren um 200 Prozent war mir zu hoch. Ich würde hier gerne eine Deckelung sehen. Der Bürgermeister wollte jedoch keine „politischen Gebühren“, sondern die von der Verwaltung empfohlenen. Beim Thema Straßenausbaugebührensatzung komme ich immer mehr zur Überzeugung, dass diese in der jetzigen Form falsch ist. Mit einem Bürgerentscheid könnte man das leidige Problem lösen. Ein solcher wird allerdings erst mit einem neuen Bürgermeister möglich sein.

 

(Albert Zimmerer, 2017)

 

Es wird sie immer geben

 

Die Bienen müssen lernen,

mit Varroa-Milben zu leben.

Man kann sie nicht entfernen,

es wird sie immer geben.

 

Die Menschheit muss täglich lernen,

mit Hunger und Krieg zu leben.

Ein Ende steht in den Sternen,

es wird sie immer geben.

 

Auch ich muss endlich lernen,

mit Psychopathen zu leben.

Man kann sie nicht belehren,

es wird sie immer geben.

 

(Albert Zimmerer, 2017)

 

Schulz-Effekt

 

Mit Martin Schulz kommt neuer Schwung in die SPD, vor allem, weil er wichtige Themen anspricht. Wenn Schulz in Bezug auf Schröders Agenda 2010 von Fehlern spricht, heißt das allerdings nicht, dass er die Agenda komplett in Frage stellt. Viele haben schon vergessen, dass Deutschland vor 15 Jahren als „kranker Mann“ Europas galt. Die Wirtschaft war am Boden, die Arbeitslosenzahl lag 2005 noch bei knapp 5 Millionen. Es mussten einige Stellschrauben am Arbeitsmarkt und in der Sozialversicherung neu justiert werden. Der Fehler war, dass diese Stellschrauben, als es uns wieder besser ging, nicht mehr nachjustiert wurden. Auswirkungen waren z.B. eine negative Lohnentwicklung und eine Ausdehnung des Niedriglohnsektors. Wenn Kanzlerin Merkel von einer unglaublichen Erfolgsgeschichte Deutschlands spricht, mag das stimmen, aber profitiert haben nur ganz wenige davon. Das muss sich ändern. Gerechtere Löhne, weniger befristete Arbeitsverträge und eine Tarifbindung für alle Unternehmen sind Themen, die nicht nur der SPD am Herzen liegen sollten. 

 

(Albert Zimmerer, 2017)

 

Personalie Gabriel

 

Christian Ude hielt beim Neujahrsempfang in Erding der Partei mit einer rhetorisch und inhaltlich beeindruckenden Rede einen Spiegel vor. Dabei warnte er, dass eine Flucht in die Moral („wir sind die Guten“) und in die Personalie („der Dicke muss weg“) die eigentliche Ursache für den Absturz der SPD verdecken („es fehlen die großen Themen“). Die Sache mit der Personalie stimmt zwar einerseits, wenn ich sehe, wie sogar hier im Landkreis zu viel Wert auf Posten gelegt wird, andererseits kann man aber nicht leugnen, dass der Fisch vom Kopf her stinkt. Im Laufe der Jahre wurden immer mehr Parteimitglieder verprellt und kaum jemand konnte sich mit Sigmar Gabriel noch identifizieren. Deshalb wird mit Martin Schulz ein Ruck durch die SPD gehen und der Wechsel an der Parteispitze wird für eine Aufbruchsstimmung sorgen. Ob am Ende zählbarer Erfolg rauskommt, wird man in 9 Monaten bei der Bundestagswahl sehen.

 

(Albert Zimmerer, 2017)

 

Obamas Abschied

 

Acht Jahre war Amerikas Präsident Barack Obama im Amt. Jetzt macht er Platz für Donald Trump. Zeit für eine Bilanz seiner Außenpolitik. Die Vorschusslorbeeren mit dem Friedensnobelpreis und die damit verbundenen Hoffnungen auf mehr Frieden in der Welt erfüllten sich leider nicht. Im Gegenteil. Durch den zu frühen Abzug seiner Armee aus dem Irak und sein Zaudern im Syrien-Krieg wurde der IS erst groß. Außerdem zeigte sich, dass egal wer in Amerika Präsident ist, die Regel gilt: America first! Die USA waren auch unter Obama der größte Ausbeuter auf dem Planeten und mitverantwortlich für Millionen von Flüchtlingen weltweit. Und jetzt am Ende seiner Amtszeit präsentiert sich Obama auch noch als schlechter Verlierer. Er gibt Putin die Schuld an dem Hackerangriff während des Wahlkampfs, wodurch Hillary Clintons Machenschaften aufgedeckt wurden. Als Vergeltungsmaßnahme ließ Obama 35 russische Diplomaten ausweisen. Vermutlich stinkt es den Amis bloß, dass Rußland auf einer ureigenen amerikanischen Bastion, der IT-Technik, mittlerweile aufgeholt hat. Vom neuen Präsidenten Trump hingegen erwartet man nur Schlechtes, vielleicht belehrt er uns eines Besseren.

 

(Albert Zimmerer, 2017)

 

Irrwitz und Pseudo

 

Wie ein schlechter Witz mutet es an, was uns Gemeinderäten zum Beschluss vorgelegt wurde. Die Marktgemeinde soll ab 2019 beim Abwasser separat abrechnen, was jeder einzelne Haushalt an Schmutzwasser und an Regenwasser einleitet. Was sich zunächst trivial anhört, bringt jedoch einen irrwitzigen Verwaltungsaufwand mit sich, vermutlich eine neue Planstelle. So muss für jedes an den Kanal angeschlossene Grundstück ermittelt werden, wie groß die Dachflächen sind, versiegelte, halbversiegelte und offene Flächen müssen vermessen werden, es ist festzustellen, ob die Terrasse größer ist als der Dachüberstand, ob Regenwasser evtl. in einen Graben geleitet wird, ob Regenwasser für den Haushalt genutzt wird etc. Selbstverständlich muss auch jede diesbezügliche Veränderung berücksichtigt und laufend dokumentiert werden. Diese Splittung habe irgendjemand irgendwann vor dem Bundesverwaltungsgericht erstritten, hieß es und sei jetzt in allen Kommunen umzusetzen. Punkt Basta.

Es ist nicht das erste Mal, dass man uns Räten die Pistole auf die Brust setzt. Das letzte Mal war es bei der leidigen Straßenausbausatzung, wo gedroht wurde, jeder einzelne Gemeinderat könne bei Ablehnung belangt werden - wegen Veruntreuung von Gemeindegeldern. Wenn es keine Wahl gibt, wieso dann Abstimmen? Dann ehrlicherweise ein In-Kenntnis-Setzen. Die Pseudo-Demokratie lebe hoch!

 

(Albert Zimmerer, 2016)

 

Phänomen Mückenmangel

 

Die Motorradfahrer waren die Ersten, denen es auffiel. Und ein Blick auf die Windschutzscheiben unserer Autos bestätigt ein neues Phänomen, das zumindest hier im Landkreis auftritt. An den Helm-Visieren und Front-Scheiben kleben kaum mehr Insekten fest, nicht einmal im Hochsommer bei einer Fahrt durch Wiesen und Wald. Noch vor einigen Jahren musste nach jedem Ausflug kräftig gerubbelt werden, weil nicht einmal eine Waschanlage den eingetrockneten Insektenresten Herr wurde. Meinem Sohn, der seit 3 Jahren seinen Führerschein hat, sind Insekten an der Frontscheibe völlig fremd. Mückenmangel statt Mückenplage also? Und wo ist das Problem, mag sich so mancher denken. Auf das nervige Gesurre im Schlafzimmer und die juckenden Folgen kann man gern verzichten. Doch die Bedeutung ist nicht zu unterschätzen, die Fliegen, Mücken und Schwärmer in der Nahrungskette und beim Blüten-Bestäuben haben. Eine Abnahme der Insektenmenge wirkt sich direkt auf die Artenvielfalt und langfristig auf unsere Lebensqualität aus. Man kann bloß hoffen, dass dieses Phänomen nur temporär und in einzelnen Regionen auftritt. Über die Ursachen kann man freilich nur spekulieren, aber dass es unseren Landkreis trifft, eine Boom-Region mit extremer Flächen-Versiegelung und intensiver konventioneller Landwirtschaft, ist eher kein Zufall.

Aus dem Dorfener Anzeiger vom 24./25. September 2016

 

(Albert Zimmerer, 2016)

 

Zulieferer gegen Großkonzern

 

Wer genau hinschaut, dem gewährt der Streit zwischen VW und einem seiner Hauptzulieferer interessante Einblicke in das Geschäftsgebaren von Großkonzernen. Es ist keineswegs so, dass hier der Zulieferer der Böse ist, der mit einem Lieferstopp VW und der Volkswirtschaft Schaden zufügen will. Vielmehr hat sich zum ersten Mal ein Zulieferer getraut, sich nicht mehr von seinem Kunden erpressen zu lassen. Großkonzerne nutzen bisweilen in sittenwidriger Manier den Konkurrenzkampf zwischen den zahlreichen Zulieferern aus. Sie zwingen Verträge auf, die kaum Luft zum Atmen lassen, oder kündigen Verträge einseitig während der Laufzeit. Wenn ein Zulieferer meckert, wird er aus der Liste der „prefered supplier“ gestrichen und es darf der nächste ran. Sollte einer der geschassten Zulieferer schließlich verrecken – auch egal. Marktbereinigung nennt man das. Auf der Strecke bleiben die vielen Arbeitnehmer, die vom nächsten Zulieferer zwar gerne übernommen werden, aber nur mit weniger Gehalt und schlechterem Arbeitsvertrag.

 

(Albert Zimmerer, 2016)

 

Wenn ein Staat sich wehrt

 

In der Türkei geschehen Tag für Tag massive Menschenrechtsverletzungen. Mit einer „Säuberungsaktion“ sollen Gegner von Präsident Erdogan eingeschüchtert und Andersdenkende mundtot gemacht werden. Erdogan rechtfertigt die Aktion damit, dass sich der Staat in Anbetracht von Terror und Putschversuch wehren muss.
Auch wir Deutsche, die mit Kritik an Erdogan nicht sparen, haben eine ähnliche Situation schon mitgemacht. Es war im sogenannten „Deutschen Herbst“ 1977, als der deutsche Staat in Anbetracht vieler RAF-Anschläge überreagierte und ebenfalls Menschen- und Persönlichkeitsrechte massiv verletzte. Es gab Abhör- und Durchsuchungsaktionen ohne rechtliche Grundlage und auf mögliche Sympathisanten wurde regelrecht eine Hetzjagd veranstaltet. So warf man Schriftstellern eine „geistige Mittäterschaft“ vor, weil sie einen menschlichen Umgang mit den festgenommenen Terroristen forderten. Wir Deutsche haben hoffentlich daraus gelernt. Aber dürfen wir uns deswegen erlauben, die Türkei zu kritisieren? Ich meine ja. Es ist unsere Pflicht.

 

(Albert Zimmerer, 2016)

Bausünden mit Ansage

 

Wenn meine Parteikollegen in München fordern, beim Wohnungsbau mehr Gas zu geben und höhere Mehrgeschoss-Häuser hinzuknallen, kann man das irgendwie nachvollziehen und bloß hoffen, dass keine neuen Stadtteile a la Neuperlach entstehen. Wenn aber bei uns im Landkreis die SPD fordert, auch in den Dörfern mehr Wohnblöcke zu bauen, kann ich mich nur wundern. In meinen Augen sind das Bausünden mit Ansage. Einen solchen Schandfleck dürfen wir in Isen jeden Tag bewundern, seit in den 70er Jahren das unsägliche Hochhaus gebaut wurde. Hinzu kommt, dass es mit dem Wohnungsbau allein nicht getan ist. Mehr Einwohner bringen erhöhte Anforderungen an öffentliche Einrichtungen und Infrastruktur mit sich, was ja auch logisch ist, aber oftmals überproportionale Mehrkosten verursacht. Außerdem ist mehr Verkehr bei unseren Straßen kaum vorstellbar. Mehr Arbeitsplätze vor Ort wird es hingegen nicht geben, so dass die Dörfer immer mehr zu Schlaforten verkommen. „Organisches Wachstum“ ist offensichtlich nicht mehr gewollt. Schade.

 

(Albert Zimmerer, 2016)

 

Brexit

 

Das Leben schreibt die besten Geschichten und Realsatire übertrifft jede Comedy. Diese Floskeln wurden einmal mehr beim Fußballspiel England gegen Island bestätigt. Es war nicht nur der sensationelle Sieg des Fußballzwergs gegen das Mutterland des Fußballs, auch nicht dass der Siegtorschütze „Sigthorrson“ hieß, dem man ob seines Namens schon im Vorfeld Heldenhaftes voraussagte. Nein, es war das Ausscheiden aus der EM, der Exit vier Tage nach dem Brexit. Spott und Hohn für die Engländer herrschen nun allerorten und viele zeigen offen Freude, dass wir diese arroganten Engländer endlich loshaben, in der EM wie in der EU. Doch zu früh lachen sollten wir nicht. Auch bei der Pleite der Lehman-Brothers 2008 überwog zunächst die Schadenfreude, bis die Finanzkrise ganz schnell von Amerika nach Europa überschwappte und uns das Lachen im Hals erstickte.

 

(Albert Zimmerer, 2016)

 

Elektroautos und Ausbeutung

 

Immer wieder geloben sie Besserung, die Mächtigen der westlichen Welt. Kolonialisierung und Ausbeutung der 3. Welt habe man überwunden oder arbeite zumindest daran, heißt es dazu in den üblichen Sonntagsreden. Hier unterscheiden sich die etablierten Parteien kaum voneinander. Doch geändert hat sich im Grunde nichts. Jetzt ist es der Deckmantel Klimaschutz, der uns Elektrofahrzeuge als Heilsbringer bejubeln lässt und guten Gewissens erneut zu Ausbeutern macht. Auch die Grünen, die sonst so kritisch auf den ökologischen Fußabdruck verweisen, der ungleich verteilt sei, tappen in die Falle.

Denn eine Hochvoltbatterie hat eine verheerende Ökobilanz, vor allem was Herstellung und Entsorgung anbelangt. Für die Rohstoffe Kupfer und Aluminium muss sehr viel unberührte Natur umgegraben werden und als Produktionsabfall bei Aluminium bleibt stark umweltbelastender Rotschlamm zurück. Dies geschieht allerdings nicht bei uns vor der Haustüre, sondern in der 3. Welt. Nein, Ausbeutung sei das nicht, man habe ja nur Gutes im Sinn und die Rohstoffe gäbe es halt hauptsächlich dort. Und für die Entsorgung, die immer noch nicht geklärt ist, werde sich schon etwas finden. Vielleicht ausgebeutete Kupferminen? Bisher werden solche Akkus übrigens einfach verbrannt. Außerdem, heißt es, bessere sich die Ökobilanz im Laufe der Jahre. Na, da bin ich aber froh!

 

(Albert Zimmerer, 2016)

 

Pauschale statt Prozente

 

Leserbrief zum Merkur-Titel "Rente steigt um 4,25 Prozent": 

Auch bei den Renten geht die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander, und das systematisch. Während der arme Rentner mit seinen 600 Euro durch die geplante Erhöhung um 4,25 Prozent mickrige 25 Euro mehr bekommt, macht das bei einer eh schon üppigen Rente von 2400 Euro gleich 100 Euro aus. Wie wäre es, wenn alle Renten pauschal um 60 Euro erhöht würden? Das Motto für eine gerechte Rentenerhöhung kann deshalb nur lauten: Pauschale statt Prozente!

 

(Albert Zimmerer, 2016)

 

Führungsköpfe kommen und gehen

 

Angela Merkel sei bei SPD-Wählern beliebter als Sigmar Gabriel, hieß neulich eine Meldung. Wen wunderts? Auch die Mehrheit der SPD-Mitglieder kann mit Gabriel wenig anfangen. Wegen seiner populistischen Wendemanöver wird es intern bereits als Seehofer der SPD bezeichnet und sein Festhalten am umstrittenen TTIP wird stark kritisiert. Das geplante Handelsabkommen mit den USA sieht man als äußerst unsozial (amerikanische Standards) und undemokratisch (geheime Schiedsgerichte). Schlimm ist das Verhalten Gabriels deshalb, weil es Image-prägend für die gesamte SPD ist. Und die Leute an der Basis müssen es wieder einmal ausbaden. Ich plädiere für Gelassenheit und Geduld: „SPD-Führungsköpfe kommen und gehen, doch SPD-Ortsvereine bleiben bestehen!“

 

(Albert Zimmerer, 2016)

 

Depperl-Test für alle

 

Man fühlt sich schon fast schuldig, wenn einem Zweifel kommen bei diesen neuen Gesetzen und Verordnungen, die scheinbar nur Gutes für das Volk beinhalten. Beispielsweise die Vorratsspeicherung von Telefondaten, die für die Verbrechensbekämpfung zweifellos von Vorteil ist. Nur wer etwas zu verbergen hat, könne dagegen sein, wird dem Bürger suggeriert. Ähnlich verhält es sich mit der Verschärfung der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU), besser als Depperl-Test bekannt. Jetzt sollen plötzlich alle, denen der Führerschein wegen Alkohol genommen wird, dazu verdonnert werden, also bereits ab 0,5 Promille bzw. 0,3 Promille bei Unfall. Bisher lag die Grenze bei 1,6 Promille. Kann man als braver Bürger etwas dagegen haben? Schleichend wird von staatlicher Stelle an den Persönlichkeitsrechten genagt, in der Annahme, dass wir Deppen es schon nicht merken. Es gibt keine Verkehrs-Statistik, die eine solche Verschärfung rechtfertigt. Auch damals 1990, als nach der Wiedervereinigung der DDR-Standard von 0,5 Promille dem BRD-Standard von 0,8 Promille vorgezogen wurde, war statistisch keine Verbesserung zu erkennen. Es starben im Straßenverkehr wegen Alkoholmissbrauch nicht weniger Menschen als vorher. Was ist es also dann, was unsere Gesetzgeber umtreibt? Willkür? Oder macht hier eine bestimmte Lobby einen guten Job? Eine Lobby, die wie immer nur unser bestes im Sinn hat, nämlich unser Geld. Wie wäre es mit einem Depperl-Test für unsere Gesetzgeber?

 

(Albert Zimmerer, 2016)

 

Keine Anweisung von oben

 

Nicht nur in Köln wurden der Öffentlichkeit Informationen vorenthalten.

Immer wieder erfährt man von Mitarbeitern in Landratsämtern oder von Polizeidienststellen, dass nicht alle Straftaten von Flüchtlingen an die Presse weitergereicht werden. Haben sie also doch Recht, die Gegner der aktuellen Asylpolitik? Ist es also nicht nur eine der vielen Legenden, die sich um die Flüchtlingskrise ranken?

Nicht ganz. Denn entscheidend ist, ob Informationen auf Anweisung von ganz oben zurückgehalten wurden. Dies ist nicht der Fall. Wenn ein Landrat oder Dienstleiter aus eigenem Ermessen etwas zurückhält, mit der einfältigen Überzeugung, die Bevölkerung dürfe nicht verunsichert werden, dann ist das sein persönliches Versagen, für das er auch belangt werden sollte. Der Polizeipräsident von Köln musste unter anderem auch deshalb seinen Hut nehmen. Eine Verschwörung der großen Politik mit den Massenmedien ist das noch lange nicht. Dies wäre auch nicht so einfach, da eine Zeitung wie die BILD auf einen Skandal wie diesen nur wartet.

 

(Albert Zimmerer, 2016)

 

Freifunk und die Moral

 

Freifunk ist eine gute Sache. Er ermöglicht auch Flüchtlingen freien Zugang zum Internet, frei von Gebühren, schnell und unbürokratisch. Schade, dass Bürgermeister Siegfried Fischer und der Mehrheit des Marktgemeinderats dies offensichtlich zu frei ist. Am Argument Jugendschutz bissen sich die Räte fest und lehnten Freifunk in gemeindlichen Gebäuden ab, mit drei Gegenstimmen. Glaubt man ernsthaft, dass sich ein Jugendlicher gezielt am Freizeitheim verbotene Seiten reinzieht, die er sowieso über sein eigenes Netz erreichen kann? Und wenn er freies WLAN nutzen möchte, geht er halt 100 Meter weiter zur Pfarrbücherei, wo Pfarrer Josef Kriechbaumer einen Freifunk-Router aufgestellt hat. Ist in Isen mittlerweile der Bürgermeister moralischer als der Pfarrer? Oder weiß der Pfarrer halt, dass er bei Missbrauch bloß den Stecker ziehen muss.

 

(Albert Zimmerer, 2015)

 

IS erreicht seine Ziele

 

Wieder einmal hat der IS seine Ziele erreicht. Als am Tag nach den Anschlägen von Paris die Französische Luftwaffe die IS-Gebiete in Syrien bombardierte, haben sich die IS-Anführer die Hände gerieben. Mit jeder Bombe gewinnt der IS 1000 neue Unterstützer und Sympathisanten. Mittlerweile dürfte auch dem letzten Militaristen bekannt sein, dass der IS nicht mit Bomben zu besiegen ist. Auch Bodentruppen würden gegen die zum Äußersten entschlossenen IS-Kämpfern nur kurzfristige Erfolge erzielen, auf längere Sicht aber vergleichbar mit Afghanistan den Krieg nicht gewinnen können.

Ein weiteres Ziel des IS, die Leute einzuschüchtern, wurde in Deutschland dank unserer Bundesregierung erreicht. Das Signal gegen den Terror, das mit dem Fußballländerspiel gegen Holland gesetzt werden sollte, ist mit der Absage gründlich in die Hose gegangen. Statt dem Terror symbolträchtig die Stirn zu bieten, wie England dies mit der Nichtabsage des Spiels gegen Frankreich vormachte, hat unser Innenminister lieber den Schwanz eingezogen. Das ist nicht nur persönliche Feigheit, sondern eine unverantwortliche Verunsicherung der Bevölkerung.

 

(Albert Zimmerer, 2015)

 

Jeder muss zahlen

 

Bei einem Gespräch über das aktuelle Flüchtlingsdrama wurde ich neulich von meinem Gegenüber auf den philosophischen Aspekt hingewiesen. Sein Fazit lautete: „Jedem wird irgendwann seine Rechnung präsentiert, jeder muss einmal zahlen!“
Europa gehört zu den größten Waffenexporteuren, allen voran Deutschland, das weltweit die dritte Position einnimmt. Dass diese Waffen nicht nur zur Friedenssicherung dienen, sondern in Syrien und im Irak von allen beteiligten Bürgerkriegsparteien eingesetzt werden, dürfte jedem klar sein. Das Ergebnis sind Millionen Flüchtlinge, Unschuldige die keine Zukunft mehr im eigenen Land sehen.
Europa gehört zu den größten Lebensmittelexporteuren nach Afrika und subventioniert dabei Industrie und Landwirtschaft. Folge ist, dass Afrikas Bauern mit ihren Produkten auf dem freien Markt nicht mithalten können und verarmen. Daraus resultieren die sogenannten „Armutsflüchtlinge“. Schade ist, dass eine solche Praxis von den meisten Menschen hier gut geheißen wird, nach dem Motto: „Bevor andere uns ausbeuten, beuten wir sie aus.“
Jetzt bekommen wir die Rechnung präsentiert.

(Karikatur aus dem Münchner Merkur, Oktober 2015)

 

(Albert Zimmerer, 2015)

 

Profi-Musiker und Profi-Politiker

 

Als ich mit den Pinklers noch Musik machte, wollte ich auf keinen Fall als „Musiker“ bezeichnet werden. Es wäre eher eine Beledigung gewesen. Warum? Musiker waren für mich die Profis, die zwar technisch perfekt jeden aktuellen Hit nachspielen konnten, aber gefangen waren in selbst verordneten Regeln und Konventionen. Mir war klar: Eine Neuinterpretation von Musik wäre mit diesen nicht möglich.

Als Kommunalpolitiker sehe ich das ähnlich. Für mich wäre die Anrede „Politiker“ ebenso beleidigend. Profi-Politiker sind reine Machtmenschen, die es in erster Linie auf Posten abgesehen haben. Sie verstehen es, sich in der Parteihierachie hochzuschleimen und für höhere Aufgaben zu positionieren. Sie sind gut im Reden, aber schwach bei konkretem Handlungsbedarf. Den Kontakt zur Basis pflegen sie nur im Wahlkampf. Mir ist klar: Eine Erneuerung des Politik-Verständnisses wird es mit Profi-Politikern nicht geben.

 

(Albert Zimmerer, 2015)

 

Menschliche Insekten

 

Es ist schon witzig, was Forscher wieder herausgefunden haben, es regt aber auch zum Nachdenken an. Ausgerechnet unter den emsigen Ameisen und fleißigen Bienen soll es Faulenzer geben? Also eine gewisse Anzahl von Exemplaren, die einfach im Nichtstun verharren. Nun sucht man eine Erklärung dafür. Die Vermutung, es handle sich um eine stille Reserve, falls plötzlich viel Arbeit anfällt, wird von den bisherigen Forschungsergebnissen nicht bestätigt. Man hatte nämlich festgestellt, und jetzt kommt‘s, dass im Falle von viel Arbeit die Aktiven noch aktiver werden, während die stille Reserve nicht eingreift. Ein ähnliches Phänomen ist eindeutig bei uns Menschen zu erkennen, wobei ich Arbeitslose nicht unbedingt mit Faulenzern gleichsetzen möchte. Jedenfalls gehören beide zu den Nicht-Produktiven, wirtschaftlich betrachtet. Wenn also in einem Unternehmen plötzlich mehr Arbeit anfällt, werden zunächst einmal Überstunden verordnet. Erst wenn diese auch nicht mehr reichen, um der Mehrarbeit Herr zu werden, bedient man sich am Arbeitsmarkt. Vermutlich werden die Forscher dieses Verhalten sehr bald auch bei den genannten Insekten feststellen. Mein Fazit: Menschen und Insekten sind sich ähnlicher als man denkt.

 

(Albert Zimmerer, 2015)

 

Es gibt kein Gut

 

Mein ehemaliger Arbeitskollege hieß Oskar. Er wurde in Kasachstan an der Grenze zur Mongolei geboren. Seine deutschstämmigen Eltern kehrten mit ihm schließlich nach Deutschland zurück. Oskar war ein ruhiger und gescheiter Bursche, ziemlich introvertiert. Im Winter frierte er meist auch im Büro und klammerte sich schon mal am Heizkörper fest. Legendär ist seine Antwort auf die Frage der Kollegen, wie er denn die kalten kasachischen Winter überlebt habe. Sie lautete kurz und lapidar: „Wir hatten warme Kleidung.“ An den politischen Diskussionen im Büro beteiligte er sich kaum, aber einmal erwiderte er meine Aussage, in der Weltpolitik gäbe es kein Gut oder Böse, vielsagend mit den Worten: „Es gibt kein Gut!“

 

(Albert Zimmerer, 2015)

 

Gebt Afrika eine Chance

 

Soll Armut als Asylgrund anerkannt werden? Wer ist überhaupt Schuld an der Verarmung Afrikas? Solche Fragen stellte Referent Uche Akpulu bei der Veranstaltung der Flüchtlingshilfe Isen im Rathaussaal und lieferte die Antworten gleich dazu. Akpulu ist gebürtiger Nigerianer und ist vor mehr als 10 Jahren nach Deutschland geflüchtet. Ihn ärgert allein schon der Begriff Armutsflüchtling, der von Politikern gerne benutzt werde, um zu kriminalisieren. Menschen, die nichts anders im Sinn haben, als ihre nackte Existenz zu retten. Die Festung Europa müsse in deren Augen unbedingt verteidigt werden. Dabei sei es Europa, das unaufhörlich Afrika ausbeutet, angefangen von der Kolonialisierung bis zur heutigen Subventionierung landwirtschaftlicher Exporte in den schwarzen Kontinent. So lasse man die afrikanischen Landwirte systematisch verarmen. Akpulu hat klare Vorstellungen zur Ursachenbekämpfung. Europa solle „von Afrika loslassen“. Gemeint seien auch Entwicklungshilfen, die sowieso nur Regime und Waffenkäufe unterstützten.

Afrika soll selber über Afrika entscheiden dürfen. „Wo sind die Afrikaner bei den Gipfeltreffen der Mächtigen?“, fragt der Referent und erntet Zustimmung. Auch bei den aktuellen TTIP-Verhandlungen werde Afrika ausgeblendet. Obwohl seine Argumente plausibel klingen, sehe ich skeptische Gesichter. Afrika könne sich nie und nimmer selbst retten, heißt es anschließend im vertraulichen Gespräch und die Schuld werde halt immer bei den anderen gesucht. Schade denke ich mir. Afrika hätte doch eine Chance verdient.

 

(Albert Zimmerer, 2015)

Probenheim im Meindlpark

Die Isener Blaskapelle ist ein großer und großartiger Verein. Er ist ein Aushängeschild der Marktgemeinde und hat sich große Verdienste um die Jugendförderung erworben. Es gibt niemanden im Gemeinderat und kaum jemanden in der Bevölkerung der dem Verein ein eigenes Probenheim nicht gönnen würde. Leider hat man sich einen Standort ausgesucht, nämlich zwischen Freizeitheim und Meindl-Villa, der als sehr kritisch anzusehen ist. Der einmalige Charakter des Areals ist unbedingt erhaltenswert. Ein zusätzliches Gebäude würde hier bleibenden Schaden anrichten und Unfrieden stiften. Die Mehrheit der Isener Bürgerinnen und Bürger sieht das genauso. Das Argument, dass „momentan kein besserer Standort“ zur Verfügung stehe, ist ungenügend. Sicher, die Blaskapelle sucht schon einige Zeit, aber warum eine überstürzte Entscheidung treffen. Es besteht keine Not. Die Entwicklung der letzten Monate zeigt, dass sich immer wieder neue Möglichkeiten auftun, wo ein Probenheim gebaut werden könnte. Sei es, dass ein altes Wirtshaus mit großem Saal zur Verfügung steht, ein neues Gewerbeareal ausgewiesen wird oder die Sanierung eines öffentlichen Gebäudes ansteht. Deshalb mein Appell an die Verantwortlichen der Blaskapelle, den Standort Meindlpark ad acta zu legen und nochmal andere Möglichkeiten auszuloten.

(Albert Zimmerer, 2015)

Grexit - anders betrachtet

Viele machen es sich beim Thema Griechenland zu leicht und fordern den „Grexit“. Die CSU bemüht hier plakativ das Bild vom maroden Haus, das jemand erwirbt, in das aber die Nachbarn viel Geld investieren, damit dieser jemand darin wohnen kann. Die Nachbarn nehmen, hilfsbereit wie sie sind, sogar Kredite dafür auf, heißt es, und fordern logischerweise die Zurückzahlung. Das schafft der Hausherr aber nicht und verlangt im Gegenteil, die Nachbarn sollten noch mehr Geld investieren, damit er in Saus und Braus leben kann. 
Dieses Bild mag auf den ersten Blick zutreffen, aber man könnte die Sache auch anders sehen: Dieser jemand hat das marode Haus von den Eltern geerbt und muss mit seiner Familie darin leben. Er verdient nicht so viel, dass er imstande ist, es mit eigenen Mitteln herzurichten. Die Bank bietet ihm Geld nur mit hohen Zinsen, die er nie zurückzahlen könnte. Die Nachbarn hingegen bekommen das Geld von der Bank mit Null Zinsen. Sie investieren es in das marode Haus und fordern nun ihrerseits die hohen Zinsen. Da diese das Gehalt des Hausherrn weit übersteigen, fordern die Nachbarn, seine Familie möge doch dazuverdienen. Einige Familienmitglieder würden gerne, finden jedoch keine Arbeit. Die anderen, die Arbeit finden, machen sich aus dem Staub. 
Wer ist Täter? Wer ist Opfer? Soll man das Haus abreißen, obwohl schon viel investiert wurde? Oder soll man doch lieber die Zinsen erlassen? Es ist nicht so leicht, wie es scheint.

(Albert Zimmerer, 2015)

Mehr Gelassenheit

Nach dem Attentat auf die Redaktion des Pariser Satiremagazins müssen sich die islamistischen Extremisten wieder einmal als Sieger vorkommen. Wenn schon drei ihrer Leute genügen, um ganz Europa in Aufruhr zu versetzen und ranghohe Politiker zu purem Aktionismus zu nötigen, was passiert dann erst bei 30 oder 300 zu allem entschlossenen Attentätern?
Mehr Gelassenheit würde unserer Demokratie sicher gut tun.

(Albert Zimmerer, 2015)

Erfolgreiche Fremdenhasser

Auf die Frage, warum die Fremdenhasser von PEGIDA momentan so erfolgreich sind, gibt es sicher viele Antworten. Einen nicht unwichtigen Aspekt möchte ich hier betrachten. Erst vor kurzem gab es aus Berlin den Vorschlag, den Begriff „Weihnachtsfeier“ mit „Lichterfest“ oder Ähnlichem zu ersetzen, damit auch nichtchristliche Mitarbeiter bzw. Mitbürger daran teilnehmen könnten, ohne sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt zu sehen. Ähnlich war es mit dem Begriff „Martinsumzug“, den die Kindergärten ändern sollten. Außerdem streitet man seit Jahren schon über Kreuze in öffentlichen Räumen oder das regelmäßige Läuten von Kirchglocken. Doch diese Klagen und Vorschläge kommen keinesfalls von Migranten oder Flüchtlingen, sondern von Deutschen, die vorauseilende Political Correctness an den Tag legen. Diese selbsternannten Gutmenschen wissen gar nicht, wie sie die Stimmung verpesten, die Stimmung gegen Leute, die überhaupt nichts dafür können und noch weniger etwas gegen unsere christlichen Bräuche und Symbole haben.

Boshafte Menschen behaupten sogar, die Klagen und Vorschläge kämen von der PEDIGA selbst.

(Albert Zimmerer, 2015)

Führungszeugnis für den Nikolaus?

Seltsame Blüten treibt derzeit das „neue“ Bundesgesetz von 2012, wonach alle Vereins-Übungsleiter, die mit Jugendlichen und Kindern Kontakt haben, ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen müssen. Beim Vereinsgespräch, das die Marktgemeinde Isen einmal im Jahr durchführt und jetzt im Gasthof Klement stattfand, wurde klar, dass eigentlich nichts klar ist. Weder Vereine noch Gemeindeverwaltung wissen genau, welche Personen in der Pflicht stehen. Neuerdings müssten auch die Fahrer bei Auswärts-Wettkämpfen ein Führungszeugnis vorlegen, hieß es. Aber nur wenn es für die Abfahrt einen vom Verein bestimmten Treffpunkt gibt. Wenn man sich erst am Wettkampfort trifft, fällt das Führungszeugnis hingegen flach. Wie jedoch mit Nicht-Vereinsmitgliedern oder Spontan-Fahrern zu verfahren ist, weiß keiner. Müssen die dann ein Zeugnis nachreichen? „Am besten flächendeckend das Führungszeugnis für alle Bürger beantragen“, schlug ein Anwesender augenzwinkernd vor. Fest steht nur, dass am Ende der Vereinsvorsitzende unterschreibt und für seine Leute gerade steht. Ob sich dann noch viele um dieses Amt reißen werden? Wohl kaum, dachte sich in diesem Moment so mancher Betroffene. Als dann das Bauernmarkt-Team nachhakte, ob man für Kindergartenführungen ebenfalls in der Zeugnis-Pflicht stünde und ein Ja zu hören bekam, wurde das ungläubige Raunen deutlicher. Auch den Nikolaus dürfe man nicht vergessen, hieß es launig aus der Runde. Diesen Faden nahmen einige gedanklich auf und spannen ihn genüsslich weiter. Und der Krampus? Ein einwandfreies Führungszeugnis könne der sowieso nicht vorlegen, weil der Krampus-Job an sich schon eine dunkle Seite voraussetze ...

(Albert Zimmerer, 2014)

 

Zur Ukraine-Krise

Die Stimmung bei uns derzeit extrem gegen Putin, was vor allem auf eine einseitige Berichterstattung in den Medien zurückzuführen ist. Wer schwarz-weiß denkt, macht es sich jedoch zu einfach. Es gibt hier kein Gut und Böse. Der Westen hat keine moralische Überlegenheit gegenüber Russland. Es geht rein um Machtinteressen. Das Werben von EU und NATO um eine Mitgliedschaft der Ukraine war unanständig, wenn auch machtpolitisch nachvollziehbar. Der Westen der Ukraine (der wirtschaftlich arme Teil) fiel darauf herein und sah schon blühende Landschaften vor sich. Der Osten der Ukraine (der reiche Teil) ist seit jeher mit Russland eng verflochten und wollte und konnte da nicht mitmachen. Dass Russland die Situation ausgenutzt und die Krim annektiert hat, war ebenso unanständig, aber auch irgendwie nachvollziehbar.

Youtube-Link Volker Pispers über Ukraine und USA